Warum die Ösis clevere Baumeister sind...
(Nachschlag zu meinem LinkedIn-Beitrag vom 4.2.2026)
Auch für die Bereitstellung von Tierfutter eignet sich verzinkter Stahl hervorragend
... einfach nur anschauen und runterkommen ;-)


Bedeutungslos
Der Waldweg glänzte trotz seiner rauen Beschaffenheit, dermaßen ergiebig waren die Regenfälle der letzten Tage. Es war ein milchig grauer Glanz, Spiegelbild des wolkenverhangenen Himmels und K.`s augenblicklicher Gemütslage. Die wenigen Blätter der Stadtforstbäume, die sich über den Herbst hinweg gerettet hatten, schwitzten die letzte Feuchtigkeit aus ihren Adern. Den angenehmen Holzduft, der leicht modrig in der Luft hing, nahm K. beim Joggen nicht wahr. Aus seinem iPod erklang „Sur“ ein Titel des argentinischen Tango-Komponisten Astor Piazzolla – in Noten gefasstes Heimweh, getanzter Schmerz. Ein Abbild der scheinbar ausweglosen Situation, in der K. sich im Augenblick befand…
Noch gestern Vormittag sah alles gar nicht so schlimm aus. Bis auf die Tatsache, dass K. schon beim Aufstehen wieder einmal seiner Unbedeutsamkeit, ja seiner absoluten Nichtigkeit, bewusst wurde, war es der Beginn eines ganz normalen Samstages. K. schlenderte zum Gemüsemarkt, schaute hier, schnupperte dort und trug schließlich seine Ausbeute in Form knackiger Zucchini und praller Auberginen, eingepackt in eine große Papiertüte, über die gepflasterten Gassen der Altstadt. Vor der Filiale der Sparkasse stand Peter Protz, der bekannte Entertainer, allzeit präsent in allen Medien, in der Nähe seines Sportwagens ( selbstverständlich hatte niemand etwas daran auszusetzen, dass ein so wichtiger Mensch mit dem Wagen bis dicht an den Markt heran fuhr ). Wieder überkam K. dieses unendlich traurige Gefühl von Bedeutungslosigkeit und Kleinheit. Wie gerne würde er nur für einen Tag in die Rolle dieses so verehrungswürdigen Vertreters unserer Spezies schlüpfen! Bewundernde Blicke, herzliches Begrüßen und heimliches Flüstern begleiteten dessen Gang durch die Stadt, durch „seine“ Stadt! Welch seltsamer Zufall, dass Protz offensichtlich die gleichen Gemüseeinkäufe wie K. getätigt hatte, die auch er in einer Papiertüte verpackt im Arm hielt.
Dann, gerade in dem Augenblick, als K. auf der Höhe von Protz angelangt war und, buchstäblich Tüte an Tüte, direkt neben ihm stand, geschah es: ein Mann kam aus der Sparkassen-Filiale gelaufen, in den Händen mehrere Bündel Geldscheine, die er im Begriff war, in seinem weit geschnittenen Blouson zu verstauen. Allem Anschein nach handelte es sich um einen Bankräuber, der nach getaner Arbeit das Weite suchte, als Protz und K. ihm unbeabsichtigt den Weg versperrten. Entsetzt schaute er den Beiden ins Gesicht. Seine Maskierung hatte er vermutlich schon kurz vor dem Verlassen der Bank abgenommen und verstaut, um auf den öffentlichen Wegen keinen Verdacht zu erregen. Offensichtlich bereute er nun aufgrund des plötzlichen Verlustes der Anonymität seine Tat, er warf reflexartig sämtliche Geldbündel in K.`s Gemüsetüte und verschwand um die nächste Häuserecke.
Nun ging alles sehr schnell: mehrere Bankangestellte strömten aus dem Gebäude und schauten sich Hilfe suchend um. Passanten wiesen sie in die Richtung, in die der Dieb geflüchtet war. Kurz darauf trafen zwei Streifenwagen der Polizei ein, von denen einer ebenfalls die Verfolgung des Geflüchteten aufnahm. Aus dem zweiten Wagen stiegen zwei Polizisten, die von allen Passanten, einschließlich Protz und K., die Personalien aufnahmen.
K. war dermaßen aufgeregt, dass er vollkommen vergaß, die plötzliche „Geldvermehrung“ in seiner Gemüsetüte zu erwähnen. Zuhause in der Küche angelangt, als K. den Inhalt der Einkaufstüte auf die Arbeitsplatte verteilte, traf es ihn wie ein Schock: fünf Bündel mit 500-EURO-Scheinen, sofern man der Beschriftung auf den Banderolen Glauben schenken konnte, bestehend aus jeweils 100 Banknoten, alles in allem also unglaubliche 250 000 EURO!
K. spürte, wie sein Puls sich beschleunigte. Was sollte er tun? Würde er nun im Nachhinein den Fund melden und auch die Umstände, wie er in dessen Besitz gelangte, bestand die Gefahr, dass man ihm keinen Glauben schenkte und man ihn für einen Komplizen des Bankräubers hielt, der sich nun nach Aufnahme seiner Personalien als unschuldiges Opfer darstellte, um einer Bestrafung zu entgehen. Andererseits, wenn er den Besitz der Geldscheine verschwieg, und einer der Passanten würde bezeugen, dass er die „Übergabe“ beobachtet hatte, würde ihn das in noch größere Schwierigkeiten bringen.
Als sich K. am nächsten Tag nach dem Joggen zur Zeugenaussage auf den Weg zum Polizeirevier machte, fühlte er sich elend. Als man ihm dann schließlich noch eröffnete, dass er Teil einer Gegenüberstellung werden sollte, weil ein Zeuge beobachtet habe, wie der Bankräuber Geld in eine Einkaufstüte warf, rannte er auf die Toilette und übergab sich. Eine freundliche Polizeibeamtin nahm sich seiner an und reichte ihm ein Glas Wasser. Insgesamt acht Personen mussten sich vor einem Venezianischen Spiegel in einer Reihe aufstellen, hinter dem Spiegel befand sich vermutlich der Zeuge der unfreiwilligen Geldübergabe. Bis auf eine Person, nämlich Peter Protz, waren die anderen Beteiligten K. nicht bekannt. Nach wenigen Sekunden, die K. wie mehrere Minuten vorkamen, wurden alle nach Hause geschickt, ausgenommen…K. traute seinen Augen nicht…ausgenommen Peter Protz, dem noch im Gegenüberstellungsraum Handschellen angelegt wurden, zwei Beamte führten ihn ab.
Es war Spätnachmittag und die Luft duftete nach Frühling. K. durchlief den Stadtwald und ergötzte sich am Anblick des Anemonen-Teppichs zwischen den Bäumen links und rechts seines Weges. K. genoss den Vorteil seiner absoluten Bedeutungslosigkeit. Ihm war klar, dass er die nummerierten Scheine nur in kleinen Mengen und notfalls auch im Ausland unter die Leute bringen konnte, aber diese Aufgabe schien ihm lösbar. Aus seinem iPod ertönte ein seiner Stimmung durchaus angemessenes Musikstück, es war Bobby McFerrin mit…
“Don`t worry, be happy“…

